Chinin in Getränken

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Was ist Chinin?

Chinin ist ein weißes, wasserunlösliches, kristallines Pulver mit einem sehr bitterem Geschmack und der Summenformel C20H24N2O2. Chinin gehört zu einer Gruppe von Alkaloiden, die in der Rinde des Chinarindenbaumes (Chinchona pubescens) vorkommen. Die Heimat des Chinarindenbaumes ist der Hochwald (1500-2700 m. ü. M.) in den Cordilleren in Südamerika. Der Name "Chinin" soll von der Gräfin Chinchón, der Gemahlin des damaligen spanischen Vizekönigs von Peru herrühren, die durch Chinarinde von der Malaria geheilt wurde. Durch ihren Leibarzt kam die Rinde 1639 nach Spanien. Die Isolierung des Chinins aus der Chinarinde im Jahre 1820 geht auf die französischen Apotheker Pelletier und Caventou zurück. Die erste fabrikmäßige Extraktion der Chinarinde zur Gewinnung reinen Chinins gelang 1824 dem deutschen Apotheker F. Koch in Oppenheim.

Chinin in einer Glasschale mit dem Schema des chemischen Aufbaus.

Verwendung im medizinischen Bereich

Seit 1820 wird Chinin als Reinsubstanz gegen Malaria und Fieberanfälle eingesetzt. Es wurde durch synthetische Malariamittel stark zurückgedrängt. Durch das Auftreten resistenter Erregerstämme Mitte des letzten Jahrhunderts gewann Chinin aber wieder an Bedeutung.
Weiterhin dient es als Muskelrelaxans (Medikament zur Erschlaffung der Skelettmuskulatur) zur Behandlung von nächtlichen Wadenkrämpfen und hat zudem noch schmerzstillende Eigenschaften.
Als Kontraindikation (Gegenanzeigen) werden bei chininhaltigen Medikamenten in der Roten Liste genannt:

Verwendung in Lebensmitteln

Chinin wird heutzutage wegen seines stark bitteren Geschmacks als Aromakomponente einigen alkoholfreien Erfrischungsgetränken wie Tonic Water und den fruchtsafthaltigen Limonaden Bitter-Orange und Bitter-Lemon zugesetzt. Des Weiteren findet es in Bitterspirituosen Verwendung. Zu Kolonialzeiten spielten solche Getränke eine viel wichtigere Rolle. Die Entwicklung von Indian Tonic Water stellte eine geniale Idee die zur Malariaprophylaxe notwendige aber lästige Chinintablette in Form von Limonade aufzunehmen. Die in den Malariagebieten stationierten Kolonialoffiziere des Britisch Empire nahmen das Getränk begeistert an und verhalfen damit zum weltweiten Siegeszug dieses Getränks.
Entsprechend der deutschen Aromaverordnung darf Chinin nur Spirituosen und alkoholfreien Erfrischungsgetränken zugesetzt werden. Der Zusatz zu allen anderen Lebensmitteln und Getränken - mit Ausnahme einiger aromatisierter weinhaltiger Getränke - ist nicht zulässig. Für alkoholfreie Erfrischungsgetränke und Spirituosen dürfen Chinin und seine Salze Chininhydrochlorid und Chininsulfat nur bis zu bestimmten in der Aromenverordnung festgelegten Höchstmengen im verzehrsfertigen Lebensmittel enthalten sein:

Zusätzlich ist es nach § 13 a der Weinverordnung erlaubt, aromatisierten weinhaltigen Getränken, aromatisierten weinhaltigen Cocktails und bei aromatisierten Wein bis zu 300 mg/l Chinin zuzusetzen.

In welchen Mengen ist Chinin in alkoholfreien Erfrischungsgetränken enthalten?

Von den drei Lebensmittelgruppen, den alkoholfreien Erfrischungsgetränken, den Spirituosen und aromatisierten weinhaltigen Getränken, denen Chinin und dessen Salze zugesetzt werden dürfen, sind es die Erfrischungsgetränke, die den größten Marktanteil aufweisen, wobei es sich lediglich um die Bitterlimonaden "Tonic Water ", "Bitter-Lemon " und "Bitter-Orange" handelt.
Das klare, ohne Fruchtsaftanteil hergestellte "Tonic Water" ist das am stärksten bitter schmeckende Erzeugnis. Nach Untersuchungen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) enthält es von den Erfrischungsgetränken die höchsten Chininmengen, die im Mittel bei 61 mg/l liegen. Der höchste ermittelte Wert lag bei 75 mg/l. Deutlich weniger Chinin ist in "Bitter-Lemon" und "Bitter-Orange", die mit ca. 3 - 12 % Zitronen- oder Orangensaft hergestellt werden, enthalten. Die Chiningehalte liegen hier im Mittel bei nur 29 mg/l.

Wie muss Chinin gekennzeichnet werden?

In der Vergangenheit durften Erfrischungsgetränke, die Chinin oder dessen Salze enthielten, nur in den Verkehr gebracht werden, wenn dies durch die Angabe "chininhaltig" kenntlich gemacht war. Zusätzlich war Chinin im Zutatenverzeichnis anzugeben. Nach der Kennzeichnungs-Richtlinie 2002/67/EG der Europäischen Gemeinschaft ist es ausreichend diesen Stoff nur noch im Verzeichnis der Zutaten als "Aroma Chinin" zu deklarieren.
Nur wenn Erfrischungsgetränke zur Selbstbedienung an Getränkeboards offen abgegeben werden, wenn also keine Zutatenliste vorhanden ist, muss der Hinweis "chininhaltig" angebracht sein. Dies gilt gleichermaßen auch für den Ausschank in Gaststätten. Hier müssen die entsprechenden Erfrischungsgetränke als "chininhaltig" in der Getränkekarte gekennzeichnet sein.
Erfreulich ist, dass, in den meisten Fällen, der in Fertigpackungen angebotenen Getränke der Hinweis "chininhaltig" weiterhin deutlich sichtbar auch auf den Etiketten vorhanden ist, obwohl dies seit Januar 2004 nicht mehr vorgeschrieben ist.

Abbildung: Chinin muss in der Zutatenliste angegeben werden.

Beispiel einer Zutatenlisteauf einer Flasche: Zutaten: Wasser, Zucker, Erfrischungsgetränkegrundstoff mit Säuerungsmittel Citronensäure, Antioxidationsmittel Ascorbinsäure, natürliches Aroma, Aroma Chinin, Kohlensäure.

Bei Spirituosen ist keine Kennzeichnung erforderlich, da nach § 6 Abs. 6 der Lebensmittel- Kennzeichnungsverordnung, die Angabe des Verzeichnisses der Zutaten bei Getränken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent, ausgenommen bei Bier, nicht erforderlich ist.
Auch bei aromatisierten weinhaltigen Getränken ist nach dem Weinrecht eine Kennzeichnung nicht vorgeschrieben.

Wie ist Chinin gesundheitlich zu bewerten?

Zur gesundheitlichen Bewertung von Chinin hat das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) am 17. Februar 2005 ausführlich Stellung genommen.
In die Bewertung Nr. 002/2005 wurden Veröffentlichungen des SCF (Scientific Committee on Food), des JECFA (Joint FAO/WHO Expert Committee on Food Additives), Fallberichte und Einzelstellungnahmen einbezogen.

Das BfR empfiehlt:
"In größeren Mengen konsumiert, kann Chinin für bestimmte Verbrauchergruppen gesundheitlich problematisch sein. Risiken werden insbesondere für Chininaufnahmen während der Schwangerschaft gesehen. ...In Anlehnung an bestehende Regelungen im Arzneimittelbereich empfiehlt das BfR Schwangeren daher, vorsorglich auf den Konsum chininhaltiger Getränke zu verzichten. Auch Menschen, denen Ärzte aufgrund ihres Krankheitsbildes von der Einnahme von Chinin, Chinarinde und ihren Zubereitungen abraten, sollten auf den Verzehr chininhaltiger Erfrischungsgetränke verzichten. Hierzu zählen zum Beispiel Menschen, die an Tinnitus, Vorschädigungen des Sehnervs, hämolytischer Anämie oder einer Überempfindlichkeit gegenüber Chinin bzw. Cinchonaalkaloiden leiden. Patienten mit Herzrhythmusstörungen und solche, die Medikamente nehmen, die mit Chinin Wechselwirkungen zeigen, sollten chininhaltige Limonaden nur in Rücksprache mit ihrem Arzt zu sich nehmen. Zu solchen Medikamenten gehören insbesondere Arzneimittel, die die Blutgerinnung hemmen. Bei hohem Konsum von Tonic Wasser kann hier eine Reduktion der therapeutischen Dosis erforderlich werden."

Das BfR stellte auch fest, dass erhebliche Kenntnislücken, insbesondere zu Dosis-Wirkungsbeziehungen und Schwellendosen bestehen, so dass eine abschließende Risikobewertung nicht möglich ist.

Vor dem Hintergrund dieser Stellungnahme des BfR hält es die Bundesregierung für erforderlich aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes, Warnhinweise für Schwangere und evtl. weitere Verbrauchergruppen bei chininhaltigen Erfrischungsgetränken vorzuschreiben und hat deshalb die EU-Kommission und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit um Prüfung und Neubewertung der Verwendung von Chinin in Getränken gebeten.